Windräder in geschützten Landschaften

11.08.2009 - Franziska Teuscher

Auch Windkraft muss ökologisch verträglich produziert werden

Dank der kostendeckenden Einspeisevergütung kommt Bewegung in die Produktion von erneuerbarer Energie. Das ist gut so. Nur so kann sich die Schweiz aus den Fesseln der Atomkraftwerke befreien. Doch für mich ist klar: Auch die Nutzung von Sonne, Wind und Wasser hat ökologische Grenzen.

 

„Auf den Jurahöhen sind mehr als 230 Windturbinen geplant“, war gestern in den Medien zu lesen. Auf dem Marchairuz-Pass im Vallée de Joux wollen die Gemeinden zusammen mit der Stadt Lausanne einen Windpark mit zehn Turbinen errichten. Brisant daran: Dieses Gebiet ist im Bundesinventar der Landschaften von nationaler Bedeutung (BLN) aufgenommen. Das eidgenössische Natur- und Heimatschutzgesetz verlangt die ungeschmälerte Erhaltung der BLN-Gebiete. Soll dieser Schutz nun für die Förderung der erneuerbaren Energieträger geopfert und daher Windparks auch in BLN-Gebieten bewilligt werden?

 

Für mich ist klar, Windräder haben wie auch neue Hochspannungsleitungen oder neue Strassen in BLN-Gebieten nichts zu suchen. Ich bin froh, dass die Grünen diese Position in ihrem Energiepapier festgehalten haben. Es wäre unglaubwürdig, Windräder zur Produktion von erneuerbaren Energien zuzulassen, während Hochspannungsleitungen nicht toleriert wurden und werden, obschon sie ja auch Strom aus erneuerbaren Energieträgern transportieren. Zum Glück haben auch die Umweltverbände und die Energiewirtschaft bereits 2004 vereinbart, Windparks nur dort zu bauen, wo sie das Landschaftsbild wenig stören und bereits bauliche Beeinträchtigungen bestehen.

 

Auch wenn ich die Förderung von Sonne-, Wind- und Wasserkraft fordere, will ich nicht die anderen, ebenso berechtigten Anliegen über den Haufen werfen. Daher wehre ich mich gegen die Erhöhung der Grimsel-Staumauer, weil dadurch einmalige national geschützte Moorvegetation unwiederbringlich verschwinden würde. Ich bin vielen Kleinwasserkraftwerken gegenüber skeptisch eingestellt, weil damit den Fischen das Wasser und damit ihre Lebensgrundlage entzogen wird. Und ich bin gegen Windparks in BLN-Gebieten, weil intakte Landschaften für mich zur Schweizer Heimat gehören.

 

Das ökologisch verträgliche Produktionspotenzial beträgt für die Windenergie laut Umweltorganisationen zwischen 1,5 Milliarden Kilowattstunden und 4 Milliarden Kilowattstunden. In der Schweiz gibt es im Jura, aber auch in den Voralpen und Alpen windgünstige Standorte, die in keinem Landschaftsschutzgebiet liegen. An diesen Standorten lässt sich die Windkraft ökologisch verträglich produzieren. Lassen wir hier neue Windparks entstehen und belasten wir die Landschaftsschutzgebiete von nationaler Bedeutung nicht mit neuen Bauwerken – auch nicht zur Produktion von erneuerbaren Energien.

11 Kommentare

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Kommentare

Windkraft auch anders

Hallo,
unter YouTube findet man noch eine offenbar nächstens realisierte und umweltfreundliche Windkraft-Möglichkeit, die man im Auge bahalten sollte:
"Windbelt" oder "humdinger Windbelt"
Vielleicht hilft es wenn in den Medien darüber berichtet wird, damit diese Methode nicht in einem Tresor verschwindet.
Mit freundlichem Gruss masi
Sigg Marcelle | 11.08.2009

Landschaft- oder Umweltschutz?

Hier im Solothurner Jura bekämpfen vor allem konservativ geprägte Kreise um den "Naturpark Thal" und die Naturschützer (nicht Umweltschützer!) die geplanten Windparks. Dahinter steht ganz klar die Absicht die fast noch unversehrte Landschaft touristisch nutzen und ausbeuten zu können.
Weit verbreitet ist bei der einheimischen Bevölkerung die Meinung, dass die Grünen die Erstellung der Windparks verhindern wollen. Die lokal engagierten Grünen allerdings setzen sich sehr für die Verwirklichung der Windparks ein. In diesem Sinne danke ich sehr für die "klaren" Signale auf nationaler Ebene.
Die grüne Utopie wäre wohl eine Schweiz welche keine Schutzzonen braucht, weil überall ökologisch nachhaltig, sozial verträglich und menschlich bewusst gelebt und produziert wird. Die Nutzung der Windenergie ist einer von vielen kleinen Schritten zu diesem Ziel.
Es ist nicht schwierig sich für den Schutz von Reservaten stark zu machen, das kann auch die SVP. Von den Grünen wäre ein tiefergreifendere Analyse und Forderung zu erwarten. Und nicht vergessen: Auch das Mittelland war mal eine schöne Landschaft. Und könnte es wieder werden.
Liebe Grüsse aus dem "noch" unversehrtem Thal
anonymous | 11.08.2009

Woher denn die Energie?

Ich will keine Atomkraftwerke. Dies vor allem wegen dem für hunderte von Jahren strahlenden Abfall.

Daher befürworte ich ich sämtliche sinnvollen, alternativen Energien. Also, überall wo es Wind hat, ein Windkratwerk hinstellen. So schnell wie möglich!
Ein sauerer Apfel gibt eben auch Nahrung.

Frau Teuscher, wie wollen Sie denn die Energieproduktion der AKW ersetzen, wenn Sie recht viele Projekte schon zu Beginn ausschliessen?
Roland | 12.08.2009

Windkraft im Jura

Wie macht man es, wenn man den Atomausstieg und die Erneuerbaren verhindern will? man sorgt dafür, dass die Befürworter gespalten werden. Zum Beispiel, indem man einen Windpark in ein Naturschutzgebiet zu bauen vorgibt. Schon sind sich Naturliebhaber gegenseitig in den Haaren und die Atomlobby lacht sich ins Fäustchen! Lasst Euch nicht irre machen: zuerst müssen alle unbedenklichen Standorte benützt werden, alle Sparmassnahmen umgesetzt, alle Autobahn-Schallschutzwände und Flachdächer mit Solarzellen bestückt, wenn es dann wirklich nicht reicht, und auch kein Import aus Spanien oder der Sahara möglich ist, schauen wir uns die Naturschutzgebiete nochmals an. Bis dahin hat es für beides Platz und wir bleiben vereint in der Stossrichtung.
Catherine Buchmann | 17.08.2009

Stopp der Stromverschwendung!

Die Debatte um die Windenergie zeigt, dass(fast) jede Energieproduktion auch negative Auswirkungen haben kann. Ich gehe mit Catherine Buchmann einig: Wenn wir uns streiten, profitiert vor allem die Atomlobby. Wo wir noch viel stärker ansetzen müssen ist bei der Energieeffizienz. Wir verschwenden immer noch Strom für schlecht isolierte Kühlschränke und Strom fressende Elektroheizungen. Der Einsatz von energieeffizienten Geräten verschont uns daher auch vor Landschaftsverschandelung und Naturzerstörung.
Teuscher | 19.08.2009

Erneuerbare Produktion - aber wie?


Ich bin überzeugt, dass der Strombedarf der gesamten Schweiz mit Solarenergie (auf Bauernhof- und Firmendächern) und anderen das Oekosystem nicht belastender lokaler Energieförderung langfristig gedeckt werden kann. Auf Atomkraftwerke kann locker verzichtet werden.
Nur ein kleiner Artikel im Energiegesetz (EnG 7a) leistet noch Widerstand, welcher jede ökologische Lösung im Energiebereich verhindert und die Schweiz von allfälligen Stromlieferungen aus Südeuropa und der Sahara und der Nagra als deren dafür nötigen finanziellen Förderer abhängig macht.
http://www.nwa-schweiz.ch/uploads/media/Deckel_weg_02.pdf
Kirchgraber Stefan | 21.08.2009

Was nützt die Denkmalpflege und die Landschaftsästhetik, derweil unsere Erde kaputt geht?

Wird Landschaftschutz eindimensional nur ästhetisch verstanden, gewinnt ein subjektives Kriterium Oberhand, welches von der persönlichen Meinung über Windenergie geprägt ist. Dabei halten sich die Gegner nur zu gerne an "steinzeitliche" Beispiele (zehnjährig oder älter). Heute gibt es getriebelose Anlagen, welche leise sind und dennoch ein x-faches an Energie auch aus mittelstarken Winden, wie sie im Mittelland vorherrschen, herausholen.

Lanschaftschutz ist aber komplex und hat mehrere Dimensionen, zB auch die Erhaltung der Vegetation. Diese ist durch die Klimaerwärmung zunehmend bedroht. Der Trend setzt sich fort, wonach Unwetter zunehmen und die Landschaft vermehrt verwüsten. Nur unter Einbezug aller erneuerbarer Energien kann es uns gelingen, die fossilen Brennstoffe zu reduzieren, um so den Ausstoss von CO2 zu verringern.

Gefragt sind wegweisende Entscheide. Nicht nur von den Kantonen, auch von den Gemeinden! Doch leider wird die Nutzung von erneuerbarer Energien noch immer verzögert und behindert, ja sogar verhindert. Kürzlich wurde in Herznach/AG eine Fotovoltaik Anlage auf einem 22 Jahre alten Haus aufgrund des Ortsbildschutztes verhindert. (AZ berichtete)

Was nützt die Denkmalpflege und die Landschaftsästhetik, derweil unsere Erde kaputt geht?

IG Wind plus Heitersberg
Interessengemeinschaft zur Förderung von erneuerbaren Energien
Präsidentin
Theresia Meier-Wettstein, Remetschwil

PS: Windenerigeanlagen lassen sich nach 30 Jahren ohne Altlasten zurückbauen. Die Landschaft ist nicht zerstört. Bis dann wird man vielleicht noch genialere Möglichkeiten der Stromgewinnung erfunden haben. Und unsere Nachkommen können neu entscheiden, wie sie ihre Energieversorgung sichern möchten.
Meier-Wettstein Theresia | 30.08.2009

Vielfalt statt Grösse

Heute haben wir in der Zeitung die Interessante Allianz von Hayek, Blocher und Levrat gegen zu grosse Banken gesehen. Welche Allianzen können wir schmieden gegen zu grosse Energielieferanten? Im Würgegriff der Atomlobby (Alpiq oder bis dann vielleicht ein Amerikanisch-Lybisch-Pakistanisches Unternehmen) zappeln schweizer Steuerzahler und winden sich unter Endlager-Kosten; too big und too gefährlich to fail! Die Vision von vielen vielleicht unschönen Solarzellen und vielen vielleicht brummenden Windrädern in einem genossenschaftlichen Verbund ist mir da schon viel lieber!
Catherine Buchmann | 12.09.2009

Windkraft in der Schweiz überdenken

Ich verstehe das, dass man gegen Atomkraft kämpft. Es gibt gute Gründe dazu. Die Windkraft ist in der Schweiz aber keine Lösung. Weder im kleinen noch im grossen Stil. Die erneuerbaren Energiequellen muss man streng nach Effizienz und Kostenwahrheit betrachten, sonst kosten sie einfach zuviel. Meine Erfahrung mit der Windradlobby ist die Gleiche, wie die mit der Kernkraftlobby: Es geht immer nur um Geld und Macht. Ist irgendwie nicht so grün, wie es auf den ersten Blick scheint. Bleibt cool und lest in aller Ruhe mal folgendes kritisches Dokument dazu:

http://www.windland.ch/presse/Raumplanung_Aargau.pdf
Christof Merkli | 23.10.2009

humdinger wind belt

wenn ich die andern Beiträge lese, glaube, dass sich niemand für den humdinger wind belt interessiert....???. dabei könnte man anstatt über die grossen Windräder zu lamentieren
mithelfen, dass eine preiswerte und effektive Energiequelle nicht einfach in einer Patent-Schublade verschwindet. Zeigt im Internet Euer Interesse. Spricht mit Euren Freunden und Politikern darüber. Es wurden von den Entwicklern auch Gratis-Anleitungen angeboten - vielleicht gilt das immer noch. She auch youTube: humdinger wind belt.
Ein Viedeo über ein Lego-Modell ist dort ebenfalls zu finden. Bis jetzt stehen hier nicht die finenziellen Interessen im Vordergrund !!!

Sigg Marcelle | 24.10.2009

@ Sigg Marcelle - Windbelt !

Hoi Marcelle

Bin auch sehr interessiert am Windbelt ! Wenn Du möchtest kannst mich anrufen: 079 377 10 33
oder 032 633 00 10
Möchte mich mit den Möglichkeiten für Selbstbauer und für kleinere Anlagen und Schwachwind beschäftigen, wie auch mit der Weiterverbreitung der Idee. Bin Landwirt in Niederbipp.
Grüsse
Christian
Christian Uebelhard | 21.11.2009

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