Kommt alle an den Frauenstreik!

09.06.2011 - Aline Trede

Ich pfeife für, aber nicht auf die Gleichstellung

Ich bin jung, gut ausgebildet, Vizepräsidentin dieser Partei, mir stehen, so scheint's, alle Wege offen. Ich kann wählen, ob ich Karriere machen will, ob ich Mutter werden will, wie ich die Kinderbetreuung mit meinem Partner aufteile, was ich mit meinem Leben anfangen werde. Trotzdem gehe ich am 14. Juni an den Aktions- und Streiktag für mehr Gleichstellung pfeifen. Denn leider sind wir, wenn wir die Realität unter die Lupe nehmen, von der tatsächlichen Gleichstellung immer noch weit entfernt. Wieso verdienen Frauen immer noch weniger als Männer? Wieso müssen sie immer noch den grössten Teil der unbezahlten Arbeit wie Haus- und Betreuungsarbeit übernehmen? Wieso haben die Kindergärten und Schulen Stundenpläne, die es unmöglich machen, dass beide Elternteile einer Ganztagsarbeit nachgehen? Wieso muss man sich in Dutzenden von Krippen auf eine Warteliste setzen lassen, sobald frau schwanger ist, und bis zuletzt bangen, dass ein Platz frei wird? Wieso ist es unmöglich, mit einer Teilzeitarbeit Karriere zu machen? Wieso bedeutet Karriere machen immer noch, mindestens 60 Stunden pro Woche zu arbeiten? Wieso arbeiten die meisten Männer immer noch nicht Teilzeit? Weil dies alles immer noch so ist, muss ich mich fragen, ob mir wirklich alle Wege offen stehen. Auch ich werde in Zukunft auf Hürden treffen, welche nicht so leicht zu überspringen sind.


Darum begnüge ich mich nicht damit zu feiern, dass das Frauenstimmrecht ein bisschen älter ist als ich. Wir müssen uns mobilisieren. Auch für die Wahlen im Herbst. Denn leider machen die Frauen immer noch viel zu wenig von ihrem Frauenstimmrecht Gebrauch, vor allem die jungen Frauen. Vielleicht helfen Mobilisierungen wie die vom nächsten Dienstag, um die Frauen anzustecken mit unserem Eifer und unserem Engagement. Vielleicht können wir ihnen damit zeigen, dass es sich lohnt, aktiv zu sein, und dass es Spass macht. Darum kommt alle am Dienstag, um zu pfeifen, zu demonstrieren und zu feiern. Die Programme der verschiedenen Städte findet Ihr hier (Link). Ob du einen BH in die Luft lassen möchtest oder nicht, überlasse ich dir. Ich selber werde es nicht tun, da ich finde, dass wir eine neue Frauenbewegung brauchen, mit neuen Farben und neuen Symbolen. Meines Erachtens könnten wir so mehr Frauen bewegen. Ich werde den ganzen Tag in Bern an den Aktionen teilnehmen und vor Ort sein. Also wenn du mich treffen möchtest, nur zu. Achtung Frauen fertig los!

 

Programme in den verschiedenen Regionen

 

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Kommentare

MIt jedem Thema mobilisieren

Ein wichtiger Erfolg gestern im Nationalrat: der Deckel für Einspeisevergütungen erneuerbarer Energien soll weg. Symbolisch gesehen ein Gräslein, welches den Teer der Autobahn durchteilt. Nur müssen wir jetzt genug schnell sein, dass die Autobahn zur Wiese geworden ist, bevor die Baumaschinen wieder auffahren können. Sind sie da, wird lückenlos zugeteert; das kennen wir langsam aus eigener Erfahrung. Einer grünen Partei muss es um mehr gehen als immer wieder eimal mit schönen Symbolen Frühlingsgefühle auslösen zu können.

Ich finde es eine gute Idee, mit dem Thema Anti-Atomenergie den Wahlkampf zu betreiben. Der ans Militär erinnernde Irrsinn unseres Wirtschaftssystems zeigt sich plastisch an diesem Thema. Der allergrösste Teil der Schweiz will die Veränderung. Um den Ausstieg auch möglichst schnell hinzukriegen, müssen wir bei jedem Thema mobilisieren und punkten. Alles hat zumindest indirekt mit Allem zu tun. Widerspruchsfreiheit in den Zusammenhängen und eine deutliche Sprache erleichtert der Bevölkerung den Mut aufzubringen, überzeugt Grüne zu wählen.

Das Thema Gleichstellung ist für Männer gerade so wichtig wie für Frauen. Egal welches Thema im Detail. Wer dem Neid und Vorurteilen verfällt, gefährdet sich und andere. Wenn Frauen und Männer für ihre eigene Sache eintreten und das Gemeinsame im Auge behalten, existiert kein Geschlechterkampf. Dieser Zustand ist heute schon Tatsache. Das gilt es zu erhalten und auszuweiten.
Kirchgraber Stefan | 10.06.2011
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